Vom Sucher zum Sensor: Warum ich die Linse an den Nagel gehängt habe

Eisvogel überreicht Staffelstab an eine Fledermaus - KI generiert

Ich muss ehrlich gestehen, ich habe mir den Wechsel vom Fotografen zum Forscher schlimmer vorgestellt. Aber jetzt, wo die Eisvogel-Saison im Paderquellgebiet in den Startbereich kommt, sich nach und nach die ersten Eisvögel ein „Stell-Dich-Ein“ geben und jeden Tag Fotografen auf den Wegen stehen, habe ich ein weinendes Auge – weil ich es ebenfalls jahrelang gemacht habe.

Warum habe ich aufgehört? 

Ich bin von 2016 in den Wintermonaten bis zur Saison 2024/2025 jedes Jahr den Eisvögeln nachgelaufen, habe Kontakte geknüpft, „Zoofotografen“ (die, die meinen, sie wären etwas Besseres) aus den Büschen geholt und mit Verantwortlichen der Stadt Paderborn zusammengearbeitet. Ich musste mich beleidigen und als „Egomanen“ beschimpfen lassen – man warf mir vor, ich würde nur eigenen Interessen nachgehen und vieles mehr.
Im Januar 2026 habe ich Platz für die nächste Generation gemacht.

Im Frühjahr 2026 folgte der letzte Blogbericht im Eisvogel-Blog und somit das offizielle Ende.

Wo stehe ich jetzt? 

Ich forsche nun im Bereich Fledermäuse und Bio-Akustik. Ich habe ein multimodulares Messsystem entwickelt und befinde mich in enger Kooperation mit verschiedenen Fakultäten in Deutschland. Zudem habe ich Kontakte nach Mexiko und in die USA.

Warum ein lachendes Auge? 

Als Anfang September 2026 ein Fischadler an den Fischteichen gesichtet wurde, war ich auch da, um Bilder zu machen (einmal Wildlife, immer Wildlife). Ich hielt mich absichtlich absolut bedeckt, um zu schauen, was passieren würde. Es kam, wie es kommen musste: Immer mehr Fotografen wurden auf den Fischadler aufmerksam und wollten logischerweise selbst auch dieses Jungtier fotografieren. Einige machten (wie auch bei den Eisvögeln, Steinkäuzen, Rotmilanen usw.) qualitativ bessere Bilder als andere – und so begann wieder das Gehetze.

Ich wurde (wieder einmal) zur Rede gestellt, warum ich denn „Fotografen mit Bussen“ zu den Fischteichen locken würde. Das Skurrile daran: Ich hatte vorher gar nichts gemacht. Am 17. September 2026 wurde von einer regionalen Zeitung bei Facebook ein Foto und ein Bericht über die Fischteiche Paderborn von mir gepostet – mehr nicht. Die ersten Aufnahmen des Fischadlers mit Ortsangabe waren (Stand 01.11.2026) bereits ab dem 10.09.2026 bei Facebook zu finden. Außerdem war ein Bericht in der „Aktuellen Stunde“ des WDR zu sehen – ebenfalls mit Ortsangabe.

Gesundheitliche Probleme und Anrufe 

Ende September musste ich mich einer Operation unterziehen und war anschließend in einer dreiwöchigen Reha. In der Reha wurde ich mehrfach angerufen: wann die Eisvögel zurückkommen, wo man die Tiere am besten treffen könnte, ob sie zahlreich zurückgekehrt sind und ob die Nisthilfen erfolgreich installiert wurden.

Mittlerweile bin ich wieder zu Hause und kann einige kleine Spaziergänge unternehmen. Heute wurde ich zum Beispiel direkt angesprochen, warum man die Eisvögel nicht sehen kann. Ich antwortete 🤞 nicht wahrheitsgemäß: „Eisvögel? Hier gibt es Eisvögel?“

Ich glaube, ich habe nun schlussendlich alles dazu gesagt!

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